Startseite
Willkommen
König Ludwig II
Kaiserin Elisabeth
Zeit-Tafeln
Unsere Puppen
Shop
Unsere AGBs
Kontakt – Impressum
Links





Am 25. August 1845 verkünden Kanonenschüsse und lautes Glockengeläut die Geburt von Prinz Ludwig, der nach Mitternacht in Schloss Nymphenburg zur Welt kommt.

Ludwigs Vater, Kronprinz Maximilian, gilt als ernster, pflichtbewusster Mann. Von seiner Mutter Marie, einer preußischen Prinzessin, sagt man, dass sie sich wenig für die schönen Künsten interessierte, sondern am liebsten in ihrer Freizeit lange Wanderungen unternimmt.

Ludwigs Großvater ist Ludwig I., König von Bayern. Zugunsten seines Sohnes dankt er am 20. März 1848 ab, sodass Maximilian als König Max II. von Bayern den Thron übernimmt und Ludwig im Alter von Jahren zum Kronprinzen wird.

Ludwig ist ein künstlerisch begabtes Kind, dessen träumerische Neigungen sich schon bald zeigen. Seine Mutter erwähnt dies in ihrem Tagebuch: „ … er baut leidenschaftlich gern und zeigt Freude am Theaterspielen … .“

Drei Jahre nach Ludwig kommt sein Bruder Otto zur Welt. Die Prinzen wachsen in Schloss Nymphenburg auf. Zu der strengen höfischen Erziehung kommen die eisernen Prinzipien des Vaters, der seine Söhne nicht oft sieht und dadurch auch keine enge Beziehung zu ihnen aufbaut.

Die Schulzeit beginnt für Ludwig Anfang seines siebenten Lebensjahres. Der Lehrplan wird nicht vom Lehrer, sondern vom königlichen Vater vorgegeben. Mit zehn Jahren muss Ludwig bereits ein Schulpensum von acht Stunden bewältigen. Zusätzlich kommen der tägliche Spaziergang von zwei Stunden, Reitunterricht und die ersten Repräsentationspflichten.

Später sagt Ludwig über seine Schulzeit: „Ich war gezwungen, mich dem Willen von plumpen, gefühllosen Lehrern zu unterwerfen … Was ich lernen sollte, erschien mir albern, dumpf und wertlos. Und weil das langweilige Zeug mich so verstörte, dass meine Auffassungsgabe darüber abgestumpft wurde, nannte man mich einen Narren.“

Die Sommermonate verbringt Ludwig mit der Mutter und dem Bruder im Schloss Berg am Starnberger See oder im Schloss Hohenschwangau im Allgäu. In dieser Zeit ist der Lehrplan für Ludwig nicht so straff angelegt, sodass genügend Raum bleibt, seinen Träumen nachzuhängen, wofür die Familie nur wenig Verständnis zeigt.

So berichtet eine Freundin der Königin: „Der Kronprinz hat eine sehr rege Phantasie und einen erhabenen Gedankenflug. Sein Geist beschäftigt sich am liebsten mit poetischen Gestalten. Alles Unschöne widerstrebte seinem Ideal von stimmiger Natur. Geradezu schmerzlich ist es ihm, wenn er in seiner Idealwelt nicht verstanden wird. Ist das der Fall, zieht er sich scheu zurück.“

Beeindruckt und sicherlich auch beeinflusst haben Ludwig die riesigen Wandgemälde in Hohenschwangau mit Motiven aus der germanisch-mittelalterlichen Sagenwelt, die ihn seit seiner Kindheit begleitet haben. Vor allem der geheimnisvolle Schwanenritter Lohengrin hat es ihm angetan. Für Ludwig ist der Schwan, der zugleich das Wappentier von Hohenschwangau ist, das Symbol für Anmut und Würde.

In der Possenhofener Schlossbibliothek entdeckt der Kronprinz Richard Wagners Schriften „Das Kunstwerk der Zukunft“ und „Oper und Drama“, die er begeistert liest. Als er im Alter von 15 Jahren zum ersten Mal Wagners „Lohengrin“ hört, ist er zu Tränen gerührt. Diese Welt entspricht seinem Ideal. Die Kunst, die das Gute im Menschen fördert und nicht wie in seinem Umfeld, in dem er sich von niemandem verstanden fühlt.

Im Herbst 1863 beginnt Ludwig ein Studium an der Münchener Universität. Er ist inzwischen volljährig und wohnt Vorlesungen in Philosophie, Französisch, Englisch, Geschichte, Physik und Staatskunde bei.

Eine Ausbildung im Hinblick auf seine künftige Rolle als König von Bayern, erhält Ludwig allerdings nicht.  


Dem König wird wegen seines jugendlichen Alters nicht viel zugetraut. Anfangs von seinen Ministern noch misstrauisch beäugt, gewinnt er später das Vertrauen der Bürger.

Die meisten sind vor allem von der stattlichen Erscheinung des neuen Regenten angetan. Mit 1,91 m befindet sich Ludwig weit über der Durchschnittsgröße seiner Untertanen. Viele schwärmen von seinem guten Aussehen, dem dichten dunklen Haar, das er stets sorgfältig ondulieren lässt, weil sie von Natur aus glatt sind. Die ausdrucksvollen blauen Augen und die dunkle, angenehme Stimme ließen so manche Dame ins Schwärmen geraten. Staatsmänner wie Bismarck oder Russlands Zar Alexander schätzten den jungen König vor allem wegen seiner raschen Auffassungsgabe.


Nur wenige Wochen nach Ludwigs Amtsantritt, wollte er Richard Wagner kennen lernen und schickt seinen Sekretär mit einem Ring und einer Einladung auf die Suche nach dem von ihm umschwärmten Komponisten.

Der Bote findet ihn nach langer Suche in Stuttgart, wohin Wagner vor seinen Gläubigern geflüchtet war. Im Mai 1864 kam es zwischen dem König und Wagner zu einer ersten Begegnung. Ludwig erklärt sich zu seinem treuen Freund und Mäzen: „Seien Sie überzeugt, ich will alles tun, was irgend in meinen Kräften steht, um Sie für vergangene Leiden zu entschädigen.“ Und der 50jährige Wagner tönt: „…er will mir alles geben, was ich brauche, um meine Werke aufzuführen. Alle Not soll von mir genommen sein. …Kann das anders als ein Traum sein?“

Die hohen Schulden des Komponisten werden beglichen. Außerdem erhält er ein Jahresgehalt von 4000 Gulden, was etwa dem Gehalt eines Ministerialrates entspricht. Er schenkt Wagner ein luxuriöses Haus in München und eine ebenso komfortable Villa in Kempfenhausen am Starnberger See, damit er seinen Freund immer in seiner Nähe weiß. 

Zwischen Ludwig und Wagner entwickelt sich eine enge Freundschaft. Im Laufe der Jahre schrieben sie sich rund 600 Briefe und Telegramme hin und her. So schreibt Ludwig einmal an Wagner: „Unbewusst waren Sie der einzige Quell meiner Freuden von meinem zarten Jünglingsalter an, mein Freund, der mir wie keiner zum Herzen sprach, mein bester Lehrer und Erzieher.“

Und Wagner tut alles, um den jungen König in seinen Träumen von einer besseren Welt zu unterstützen. Beide verbindet eine tiefe Seelenverwandtschaft, über die schon bald spekuliert wird, die sich aber wohl am besten damit erklären lässt, dass Ludwig und Wagner eine ausgesprochene Sonderstellung einnehmen. Ludwig ist nicht an Macht und Ansehen interessiert, sondern versteht seine Berufung vor allem darin, das Volk mithilfe der Kunst zu „erheben“, wobei ihm die germanische Sagenwelt mit ihren übermenschlichen Helden als leuchtendes Beispiel vorschwebt. Wagners Besonderheit besteht wiederum darin, wie kein anderer Komponist genau diese germanische Welt durch die Verbindung von Musik und Text zu einem Gesamtkunstwerk entstehen zu lassen. Damit entspricht er ganz und gar Ludwigs Idealen.

Die Uraufführung von „Tristan und Isolde“ im Juni 1865 wird vom Publikum mit begeistertem Applaus gefeiert. Die Bühnenausstattung und die Kostüme hierfür haben Unsummen verschlungen. Doch schon bald und genau aus diesem Grund des ungeheuren finanziellen Aufwandes, der dem Bühnenwerk Wagners, aber auch Wagner selbst zuteil wurde, kommt es zu Unstimmigkeiten zwischen dem König und der Regierung. „Prachtvolles Schlafzimmer; Samttapeten, Seidenvorhänge, Wollteppiche, Spiegelplafond mit Fresken…“, berichtet eine Münchner Zeitschrift.

Dies alles stört den König zunächst wenig. Er hat das Monatsgehalt seines Freundes inzwischen von zunächst 6000 auf 8000 Gulden erhöht, damit dieser seinen „Ring der Nibelungen“ vollenden kann.

Zudem plant der König ein monumentales Festspielhaus als „vollkommenen“ Ort für künftige Wagner-Opern sowie eine Prachtstraße entlang der Isar, deren Kosten auf 5 Millionen Gulden veranschlagt werden. Der berühmte Architekt Gottfried Semper sollte hierzu die Baupläne entwerfen. Doch sein Vorhaben stößt auf so Ablehnung. Das Projekt wird nicht umgesetzt. Ludwig fühlt sich von allen unverstanden: „O die blinde Menge, die die Bedeutung dieses Werkes nicht fasst.“

Wagner versucht zudem, den König auch politisch zu beeinflussen. Er fordert von ihm und zum Schutz vor Intrigen die Umbesetzung des Kabinetts. Er schlägt Ludwig vor, sich als „bester deutscher König“ zum Kaiser krönen zu lassen. Die Minister stellen den König daraufhin vor die Entscheidung, zwischen dem Volk und Wagner zu wählen, und drohen mit sofortigem Rücktritt.

Notgedrungen verfügt der König, dass Wagner Bayern verlassen muss. Er kommt der Aufforderung umgehend nach, allerdings mit dem Versprechen, dass Ludwig auch in Zukunft für seinen Unterhalt und die Miete seiner Schweizer Villa aufkommt. Kaum ist Wagner abgereist, bereut der König seinen Entschluss auch schon und denkt an Rücktritt und sogar Selbstmord. Von da an zieht sich Ludwig immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück und zeigt sich nur noch selten dem Volk.

In seinen Schlössern in Berg und Hohenschwangau versucht er die Trennung von Wagner zu überwinden. „Ziehen wir uns zurück von der Außenwelt, sie versteht uns nicht“, hat er an den Freund geschrieben. Da war er gerade 20 Jahre alt!

Er vertieft sich in die geliebte Literatur und unterhält sich mit den Bauern, die ihm lieber sind als die intriganten Stadtmenschen - enttäuscht und verbittert hält er sich möglichst oft von München und der Residenz fern.

Ist er doch einmal in der Stadt, geht er in die Oper. Am liebsten hört er seinen geliebten Wagner, schätzt aber auch andere Opern wie Rossinis „Wilhelm Tell“, Mozarts „Zauberflöte“, Webers „Freischütz“ oder Beethovens „Fidelio“. Er lässt es meist so einrichten, dass die Zuschauer ihn nicht sehen können. Ab 1872 zieht er Separatvorstellungen vor, bei denen kein weiteres Publikum anwesend ist.

Inzwischen gilt er als wunderlich und wird „Märchenkönig“ genannt. Die politischen Umstände zwingen ihn jedoch schon bald zu handeln.


1866 erstrebt Bismarck eine Einigung der deutschen Staaten ohne Österreich. Man findet einen Vorwand, gegen Österreich in den Krieg zu ziehen. Ludwig ist strickt gegen dieses Vorgehen. Er will sich weder auf die Seite Preußens noch Österreichs schlagen, doch der Bündnisvertrag mit Österreich lässt ihm keine andere Wahl, als die Mobilmachung der Truppen anzuordnen.

Nach diesem Befehl, zieht er sich nach Schloss Berg zurück. Selbst seine Minister empfängt er nicht. In wenigen Wochen ist der Krieg verloren und Preußen erhält in einem Schutz- und Trutzbündnis die Garantie, dass die bayerischen Truppen bei weiteren Kriegen Preußen unterstellt sein werden. Schon nach vier Jahren tritt dieser Fall ein, als es 1870 zum Krieg zwischen Preußen und Frankreich kommt. Auch Bayerns Armee ist daran beteiligt.

Bei Sedan wird Napoleon III. von Preußen besiegt, das nun als mächtigster deutscher Staat auch die Führung in einem deutschen Nationalstaat anstrebt. Bismarck versucht, Ludwig zur Unterzeichnung eines Vertrages zu überreden, wonach Preußens König Friedrich Wilhelm, ein Cousin von Ludwig, zum deutschen Kaiser gekrönt wird. Aber Ludwig ist klar, dass Bayern dadurch seine jahrhundertealte Selbständigkeit verlieren würde, und er lehnt ab.

Im Oktober 1870 beginnen die Verhandlungen in Versailles - im Schloss Ludwigs XIV., den Ludwig sehr verehrt. Tief empört, dass ausgerechnet an diesem Platz beraten wird, verweigert er zwar sein Kommen, unterzeichnet den von Bismarck aufgesetzten Kaiserbrief schließlich aber doch noch.

Im Januar 1871 wird Friedrich Wilhelm im Spiegelsaal von Versailles zum deutschen Kaiser gekrönt. Ludwigs Bruder Otto, den der König in Vertretung geschickt hat, schreibt: „Ach Ludwig, ich kann Dir gar nicht beschreiben, wie unendlich weh und schmerzlich es mir während jener Zeremonie zumute war… Alles so kalt, so stolz, so glänzend, so prunkend und großtuerisch und leer.“ Ludwig weiß, dass er mit diesem Schritt seine Souveränität als bayerischer König verloren hat und sein Interesse an den Staatsgeschäften lässt jetzt erst recht nach.  


Wegen seiner attraktiven Erscheinung ist Ludwig der Schwarm aller Mädchen und Frauen. „Es ist Tatsache, dass die berückende Schönheit des jungen Herrschers Tausende von Frauenherzen innerhalb oder außerhalb Bayerns mit magischer Kraft erglühen lässt“, schreibt der Autor J. Grosse in seinen Memoiren, und Spekulationen machen die Runde, wer wohl Königin von Bayern sein wird - man munkelt sogar, dass Ludwig die russische Zarentochter heiraten könnte.

Doch im Januar 1867, Ludwig ist 22 Jahre alt, verlobt sich der König überraschend mit seiner zwei Jahre jüngeren Cousine Sophie Charlotte, der Schwester von Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sisi) und jüngsten Tochter von Herzog Maximilian in Bayern und seiner Gemahlin Ludovika.

Für Ludwig ist Sophie, die ihm seit frühester Kindheit vertraut ist, durch ihr Interesse an Kunst und Musik, vor allem aber durch ihre Verehrung für Wagner zu einer „guten Freundin“ geworden, die er häufig in Schloss Possenhofen besucht, ohne dabei an Heirat zu denken.

Doch während der König von einer „rein geistigen Beziehung“ ausgeht, hat Sophies Mutter andere Pläne, und so ist er mehr als erstaunt, als Herzogin Ludovika bei ihm anfragen lässt, ob er Heiratsabsichten hege.

Aus Angst, die Gefährtin zu verlieren, und in der Hoffnung, dass aus Freundschaft Liebe werden könne, verlobt sich Ludwig mit Sophie, zieht sich aber schon bald mehr und mehr von ihr zurück. Während der aufwendigen Hochzeitsvorbereitungen - allein die achtspännige Hochzeitskutsche kostet rund 1 Million Gulden - zögert Ludwig die Hochzeit immer wieder hinaus, bis Brautvater Herzog Max ihn schließlich vor die Alternative stellt, die Hochzeit entweder zum festgesetzten Termin stattfinden zu lassen oder die Verlobung zu lösen.

Ludwig entscheidet sich rasch für Letzteres und fühlt sich mit diesem Schritt „endlich wieder frei“. Allerdings plagt ihn sein schlechtes Gewissen, sodass er Sophie, die er „wie eine teure Schwester liebt“, anbietet, sie doch noch zu heiraten, sollte sie binnen Jahresfrist keinen Mann finden, durch den sie glücklich wird.

Das Verhalten des Königs sorgt nicht nur in München für einen Skandal. Selbst Kaiserin Sisi, mit der ihn eine tiefe Freundschaft verbindet, ist wegen dieses Affronts empört. Etwa ein Jahr später heiratet Sophie den Herzog von Alençon und der König schreibt erleichtert an Richard Wagner: „Oh, nun ist alles wieder gut! Wie erstanden, genesen nach lebensgefährlicher Krankheit fühle ich mich, … der Trauerflor, der über mir hing während der letzten Zeit, ist zerrissen…“.


Als sich die Aufregung um die gelöste Verlobung wieder gelegt hat, nimmt Ludwig den abgebrochenen Kontakt zu Sisi wieder auf. Mit seiner acht Jahre älteren Cousine verbindet Ludwig eine enge Seelenverwandtschaft. Auch die Kaiserin, die unter der strengen Etikette des österreichischen Hofes leidet, flüchtet sich in eine Traumwelt. Wie er, liebt auch sie die Einsamkeit, liest klassische Literatur. Und - für Ludwig besonders wichtig - sie will nichts von ihm. Auch Richard Wagner bleibt Ludwig bis zu seinem Tod im Februar 1883 freundschaftlich verbunden. Nach dem erzwungenen Weggang des Komponisten aus München finden zwischen 1868 und 1870 weitere Uraufführungen seiner neuen Opern „Meistersinger von Nürnberg“, „Rheingold“ und „Walküre“ im Münchner Hoftheater statt, und als sich Wagner 1872 in Bayreuth niederlässt, unterstützt Ludwig ihn beim Bau des Festspielhauses, das 1876 eröffnet wird.

Die Freundschaft bekommt einen Riss, als Ludwig erfährt, dass Wagner mit Cosima von Bülow, der Frau seines Dirigenten, zwei „natürliche“ Kinder hat. Daraufhin bricht er den Briefkontakt monatelang ab. Er sieht Wagner, der Cosima nach deren Scheidung 1870 geheiratet hat, erst nach acht Jahren in Bayreuth wieder.

Das Verhältnis zu dem Freund ist nicht mehr so eng und herzlich wie früher. Als Wagner stirbt, ist der König jedoch untröstlich. Nach der Beerdigung sagt er: „Den Künstler, um welchen jetzt die ganze Welt trauert, habe ich zuerst erkannt und der Welt gerettet.“

Auf einer ganz anderen Ebene als die Verbindung zu Wagner und Sisi spielen sich Ludwigs Freundschaften zu anderen Menschen ab, wie etwa die zu seinem Flügeladjutanten Philip von Thurn und Taxis oder seine Beziehung zu dem Schauspieler Josef Kainz.

Sie entspringen oft einem überschwänglichen Gefühl und werden häufig von großzügigen Geschenken begleitet, enden aber bei der geringsten Enttäuschung seitens des Königs meist ebenso schnell, wie sie begonnen haben.

Etwas anders verhält es sich dagegen mit dem rund vier Jahre älteren Richard Hornig, den Ludwig 1867 kennen lernt. Der Stallmeister genießt Ludwigs besonderes Vertrauen, sodass er ihn zum Hofsekretär ernennt und mit teuren Geschenken überhäuft, einschließlich einer Villa am Starnberger See.

Aber auch Hornig fällt beim König immer wieder in Ungnade, sodass er den Hof 1885 endgültig verlässt. Zu dieser Zeit ist Ludwig längst zu einem Exzentriker geworden, dessen seltsamer Lebensstil bei der Bevölkerung für Gesprächsstoff sorgt.


Schlaflose Nächte zehren an Ludwigs Gesundheit. Übermäßiger Konsum an Süßigkeiten hinterlässt seine Spuren an Figur und Zähnen. Der einst so schöne Mann wiegt nunmehr über 130 kg. Er leidet unter starken Zahnschmerzen und verliert nach und nach seine Zähne, was seine Abkehr von den Menschen noch verstärkt, denn eine Zahnprothese lehnt er ab. Durch seinen Rückzug verstärkt sich Ludwigs Einsamkeit. Dadurch führt der „Schattenkönig ohne Macht“, wie er sich selbst einmal genannt hat, ein für Außenstehende immer merkwürdiger anmutendes Leben, das überwiegend während der Nacht stattfindet. Er lässt sich zur mitternächtlichen Stunde in prunkvollen Schlitten von einem Schloss zum anderen fahren, wobei die Reitknechte, die ihn begleiten, maßgeschneiderte Rokokokostüme tragen müssen.

Seine nächtlichen Fahrten hält er auch in seinen Tagebüchern fest: „Bei magischem Mondenschein durch den düstern, schneebedeckten Tannenwald!“, notiert er, und seine Biographin Luise v. Kobell berichtet: „In seinem Schlafzimmer zu Hohenschwangau schien ein künstlicher Mond auf sein Bett“, über den Richard Hornig 1878 Ludwigs Hofsekretär mitteilen lässt: „Der Mond … Seiner Majestät leuchtet nach Allerhöchstderen Aussage nicht mehr so schön wie früher. Euer Hochwohlgeboren möchte ihn reparieren lassen.“

Eine andere Leidenschaft des Königs sind raffinierte Lichteffekte. Schon im Juli 1865 schreibt Ludwig von Hohenschwangau aus an seinen Sekretär: „Hier habe ich … die herrlichsten Naturschauspiele und Lichteffekte und brauche keine künstlichen. Letztere wünsche ich am Sonnabende von 6 Uhr abends an mir vorgeführt zu sehen, und zwar Sonnenauf- und -untergang, Mondschein, Regenbogen, elektrisches Licht, Donner, Blitz, Wind- und Wasserrausch-Maschine.“ Auch hat Ludwig eine Vorliebe für prächtige Feuerwerke und bengalische Feuer, mit denen er die nahe gelegenen Wasserfälle beleuchten lässt.

In späteren Jahren erfreut er sich an der Beleuchtung in der »Blauen Grotte« von Schloss Linderhof, wie auch Luise v. Kobell berichtet: „Der königliche Grotten-Besuch, der meist nachts stattfand, hatte etwas Programmmäßiges. Zuerst fütterte der Monarch zwei aus … dem Schlossbassin herbeigeschaffte Schwäne, hernach bestieg er mit einem Lakai einen vergoldeten und versilberten Kahn in Form einer Muschel und ließ sich auf dem durch einen unterseeischen Apparat bewegten Wasser herumrudern. Unterdessen hatten sich der Reihe nach die fünf farbigen Beleuchtungen abzulösen, jeder waren zehn Minuten zugemessen, damit der König den Anblick genügend genießen konnte. Phantastisch schimmerten Wellen, Felsenriffe, Schwäne, Rosen, das Muschelfahrzeug und der dahingleitende Märchenkönig. Wer aber hinter die Kulissen blickte, fand … einen abgehetzten Elektrotechniker, sieben von Arbeitern ständig geheizten Öfen, welche die Temperatur von 16 Grad Réaumur hervorbringen und unterhalten mussten, und dazu die riesigen, von der Blauen Grotte … verschlungenen Summen. Aber der König wünschte keinen Geschäftsbericht, indem er sagte: ’Ich will nicht wissen, wie es gemacht wird, ich will nur die Wirkung sehen.‘ “


In Ludwig entsteht schon früh der Wunsch, die mittelalterliche Welt der Nibelungen in Form von Burgen nachzubauen. Anregungen für die Gestaltung seiner Schlösser erhält er auf einer Reise zur Wartburg, deren berühmten Sängersaal er nachgestalten lassen will und bei einem Besuch in Frankreich, wo er die Prachtbauten des Sonnenkönigs Ludwig XIV. bewundert.

Auch die Welt des Orients zieht ihn magisch an. 1868 schreibt der König an Wagner: „Ich habe die Absicht, die alte Burgruine Hohenschwangau bei der Pöllatschlucht neu aufbauen zu lassen im echten Styl der deutschen Ritterburgen.“ Im September 1869 wird die Grundsteinlegung von Neuschwanstein gefeiert, in dem sich Ludwig später jedoch nur kurze Zeit aufhalten wird.

Im Jahr darauf entstehen bereits die ersten Pläne für das im Rokoko-Stil erbaute Schloss Linderhof, in das sich der König nach der Fertigstellung 1878 öfter zurückzieht. 1873 erwirbt Ludwig schließlich die Herreninsel im Chiemsee, wo 1878 - als Hommage an Versailles - der Grundstein für Schloss Herrenchiemsee gelegt wird. 1885 kauft Ludwig im Allgäu die Burgruine Falkenstein, zu deren Ausbau es allerdings nie kommt.

Ludwigs Schlösser sollten der Kunst geweihte Tempel sein, zu denen das gewöhnliche Volk keinen Zutritt hat. Daher beauftragt er auch nur die angesehensten Architekten und für die Ausstattung kommen nur die erlesensten Gegenstände in Frage. Dass seine Schulden dabei unaufhörlich wachsen, spielt für Ludwig keine Rolle, denn Geld interessiert ihn nicht.  


In München ist man längst in größter Sorge um den Staatshaushalt - 1885 belaufen sich Ludwigs Schulden auf 6,5 Millionen Mark. Aber der König fordert immer wieder Geld für seine Bauvorhaben. Als man ihm die Mittel verwehrt, versucht er, sich das Geld von anderswo zu beschaffen und droht mit Exil und sogar Selbstmord.

Im März 1886 fasst die bayerische Regierung den Plan, Ludwig durch ein gerichtsmedizinisches Gutachten zu entmachten, in dem man ihn für geisteskrank erklärt. Ein Plan, der gelingen könnte, denn schon bei Otto, dem Bruder des Königs, war eine unheilbare Geisteskrankheit festgestellt worden.

An Ludwigs Stelle soll sein Onkel, der 65­­­­-jährige Prinz Luitpold, treten, der auch das Entmündigungsverfahren unterstützt. Das Gutachten wird erstellt, wobei die Ärzte ihren „Patienten“ nie zu Gesicht bekommen, sondern sich ausschließlich auf Zeugenaussagen berufen, die später als sehr einseitig kritisiert werden. Auch Bismarck, der in die Pläne eingeweiht wird, vermutet eine Intrige, unternimmt aber nichts dagegen.


Über die genauen Umstände von Ludwigs Tod wird bis heute spekuliert, die Ereignisse während der letzten Lebenstage des Königs sind jedoch minutiös dokumentiert. Nachdem die Würfel in München am 9. Juni 1886 gefallen sind, wird sofort eine „Fangkommission“ nach Neuschwanstein geschickt, wo Ludwig während der Pfingsttage wohnt und nichts von seiner Entmündigung ahnt.

Er soll unter strengen Sicherheitsvorkehrungen nach Schloss Berg gebracht und dort interniert werden. Zur Kommission gehören neben einem Minister und einigen Adligen und Krankenwärtern auch jene vier Psychiater, die das Gutachten verfasst haben - einer von ihnen ist Dr. von Gudden. Als die „Kommission“ nachts in Neuschwanstein eintrifft, wird sie zufällig von Ludwigs Hofkutscher beobachtet, der den König warnt. Man versucht ihn zur Flucht zu bewegen, aber Ludwig lässt nur die Tore verriegeln, beordert die Gendarmerie zum Schloss und gibt seinem Adjutanten Bescheid.

Gegen 4 Uhr morgens versucht die Kommission ins Schloss zu gelangen, aber Ludwig lässt sie kurzerhand einsperren. Gegen Mittag setzt er sie wieder frei und die Männer verlassen unverrichteter Dinge das Schloss. Inzwischen hat sich die Neuigkeit herumgesprochen und viele wollen ihrem König helfen. Dieser lässt noch rasch eine Proklamation verfassen: „…mein bisheriges Ministerium hat durch unwahre Angaben über meinen Gesundheitszustand mein geliebtes Volk getäuscht … Ich fühle mich körperlich und geistig so gesund, wie jeder andere Monarch…“, aber die Veröffentlichung wird verhindert.

Zwei Tage später, Luitpold ist inzwischen zum Prinzregenten ernannt worden, wird eine zweite Kommission nach Neuschwanstein geschickt. Dieses Mal gelingt es ihr, mit Hilfe regierungstreuer Beamter das Schloss zu umstellen, sodass Ludwig nicht mehr fliehen kann. Er ist tief erschüttert und denkt an Selbstmord: „Von der höchsten Stufe des Lebens hinabgeschleudert zu werden in ein Nichts - das ist verlorenes Leben, das ertrage ich nicht.

Dass man mir die Krone nimmt, könnte ich verschmerzen, aber dass man mich für irrsinnig erklärt hat, überlebe ich nicht“, sagt er zu seinem Kammerdiener. Ludwig bittet ihn, Zyankali zu besorgen und verlangt den Turmschlüssel, doch der bleibt unauffindbar. So ergibt sich der König in sein Schicksal und lässt sich widerstandslos von der Kommission festnehmen.

Ludwig verabschiedet sich von seinen Dienern und wird noch am selben Tag nach Schloss Berg gebracht, wo man in aller Eile einige Umbauten vorgenommen hat: Die Türklinken wurden abmontiert und Löcher in die Tür gebohrt, durch die der König künftig beobachtet werden soll.


Am 13. Juni, dem zweiten Tag nach Ludwigs Ankunft in Berg, will der König am Ufer des Starnberger Sees mit seinem Arzt Dr. von Gudden spazieren gehen.

Es ist früher Abend, und der Arzt verzichtet auf weitere Begleitung, weil er glaubt, den König unter Kontrolle zu haben. Als die beiden nach einiger Zeit nicht zurückkehren, beginnt im Schlosspark und am Ufer eine fieberhafte Suche. Schließlich findet man den völlig durchnässten Hut des Königs und kurz darauf auch den Regenschirm seines Begleiters. Der Uferbereich wird mit einem Boot abgesucht und lange Zeit später kommt die Meldung, dass man den leblosen Körper des Königs auf dem See treibend gefunden hat. Seine Taschenuhr ist um 18.54 Uhr stehen geblieben. Nicht weit davon entfernt - an dieser Stelle ist der See nur ca. einen Meter tief - wird auch die Leiche des Arztes geborgen. Beide werden im Schloss aufgebahrt. Ein Telegramm wird nach München geschickt, dass Ludwig im Starnberger See zu Tode gekommen ist.

Die Meldung verbreitet sich wie ein Lauffeuer im ganzen Land und in der Bevölkerung herrscht helle Aufregung. War es wirklich ein Unfall oder nicht vielleicht doch Mord? Hat sich der König das Leben genommen und seinen Arzt mit in den Tod gerissen? Hat Dr. von Gudden mithilfe von dem immer mitgeführten Chlorophorm versucht, Ludwig von einer Flucht abzuhalten? Ist der König dadurch ums Leben gekommen und ist von Gudden daraufhin einem Herzversagen erlegen? Ist der König gar rücklinks vom Ufer aus erschossen worden? Hat er vorher seinen Arzt ertränkt? Fragen über Fragen, die bis heute nicht geklärt werden konnten.


In München hat die Nachricht von Ludwigs Tod große Trauer ausgelöst. Als die in Possenhofen weilende Sisi von seinem Tod erfährt, ruft sie aus: „Der König war kein Narr, nur ein in Ideenwelten lebender Sonderling. Man hätte ihn mit mehr Schonung behandeln müssen!“ und schickt einen Jasminstrauß, der auf die Brust des Königs gelegt wird.

Nach Abnahme der Totenmaske - sie zeigt ein friedliches Gesicht mit einem leicht ironischen Lächeln - wird Ludwig in München aufgebahrt, wo Tausende Abschied von ihrem König nehmen. Als der Sarkophag in die Gruft der Michaelskirche getragen wird, fährt aus den dunklen Wolken ein greller Blitz herab, gefolgt von einem lauten Donnerschlag und einem kurzen Wolkenbruch. Am nächsten Tag steht in der Zeitung: „Das war kein Donner. Das war eine himmlische Stimme. Die hat gerufen: „Der König lebt!“

 
Top